Warum wird Gretchen in „Faust. Eine Tragödie“ (1808) ins Gefängnis geworfen?

Richtige Antwort auf die Quizfrage

wegen Kindsmord

Gretchen (Margarete) wird in Johann Wolfgang von Goethes Faust. Der Tragödie erster Teil in das Gefängnis geworfen, weil sie des Kindsmordes angeklagt ist. In ihrer Verzweiflung und geistigen Verwirrung, nachdem sie von Faust verlassen wurde, hat sie ihr neugeborenes Kind ertränkt, das aus ihrer unehelichen Beziehung mit Faust stammte.

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Ausführliche Antwort auf die Quizfrage

Gretchen (Margarete) wird in „Faust. Der Tragödie erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe in das Gefängnis geworfen, weil sie des Kindsmordes angeklagt ist. In ihrer Verzweiflung und geistigen Verwirrung, nachdem sie von Faust verlassen wurde, hat sie ihr neugeborenes Kind ertränkt, das aus ihrer unehelichen Beziehung mit Faust stammte.

Die Kette der Ereignisse, die zur Verzweiflung führen

Gretchens Verhaftung ist der tragische Höhepunkt einer Kette von Schuld und Verzweiflung, die durch ihre Beziehung zu Faust und Mephistos Einmischung ausgelöst wird.

Die indirekte Tötung der Mutter

  • Der Schlaftrunk: Um ungestörte Nächte mit Faust verbringen zu können und ihre strenge Mutter zu umgehen, verabreicht Gretchen ihrer Mutter auf Fausts Anweisung (und mit Mephistos Beihilfe) ein Schlafmittel.
  • Die tödliche Dosis: Dieses Mittel ist jedoch zu stark, und die Mutter stirbt. Gretchen wird so unwissentlich zur Mörderin ihrer eigenen Mutter.

Der Tod des Bruders Valentin

  • Verstoßene Ehre: Gretchens Bruder, der Soldat Valentin, kehrt in die Stadt zurück und erfährt von der schändlichen Beziehung seiner Schwester. Er greift Faust und Mephisto in der Straße an, um die familiäre Ehre wiederherzustellen.
  • Fausts Tat: Im Duell, bei dem Mephisto Faust unsichtbar unterstützt, wird Valentin tödlich verwundet. Mit seinen letzten Atemzügen verflucht er Gretchen öffentlich als Hure und prophezeit ihr ein schändliches Ende. Faust und Mephisto fliehen aus der Stadt, um dem drohenden Blutbann zu entgehen.

Der Kindsmord und die Inhaftierung

  • Uneheliche Schwangerschaft: Nach der Flucht Fausts bleibt Gretchen allein und schwanger zurück.
  • Verzweiflung und Wahnsinn: Von der Gesellschaft geächtet, von ihrer Familie betrauert (Mutter tot, Bruder tot) und von überwältigenden Schuldgefühlen geplagt, verfällt Gretchen dem Wahnsinn. Sie tötet ihr Neugeborenes, indem sie es im Wasser ertränkt (Infantizid).
  • Die Strafe: Nach dem geltenden Recht des 18. Jahrhunderts, das durch ähnliche historische Fälle wie den der Susanna Margaretha Brandt inspiriert war, war Kindsmord ein Kapitalverbrechen. Gretchen wird festgenommen und zum Tode durch Enthauptung verurteilt.

Die Schuldfrage und Goethes gesellschaftliche Kritik

Die Gretchentragödie ist nicht nur eine persönliche Katastrophe, sondern auch eine scharfe Kritik an der Moral und Justiz der damaligen Zeit.

Religiöse und Soziale Verurteilung

  • Ehrverlust: Die voreheliche Schwangerschaft und die Verführung durch Faust führen zum Verlust der Ehre und der sozialen Isolation Gretchens. Im konservativen Bürgertum des 18. Jahrhunderts gab es für eine „gefallene“ Frau kaum eine Rückkehr.
  • Der „böse Geist“: In der Szene im Dom wird Gretchen von einem bösen Geist mit ihren Sünden konfrontiert – der Tod ihrer Mutter und ihres Bruders, die drohende Schande – was sie in Ohnmacht fallen lässt. Der Druck von Kirche und Gesellschaft treibt sie in den Wahnsinn.

Fausts Mitschuld und Verantwortung

Obwohl Gretchen die tatbestandliche Mörderin ist, wird Faust in der moralischen und literarischen Analyse als treibende Kraft des Unglücks gesehen.

  • Verführung: Er ist derjenige, der Gretchen verführt und die Kette der Ereignisse (Schlafmittel, Duell mit Valentin) in Gang setzt.
  • Flucht: Durch seine Flucht lässt er Gretchen in der höchsten Not allein zurück und entzieht sich seiner Verantwortung. Mephisto selbst wirft Faust seine Schuld vor: „Wer war’s, der sie ins Verderben stürzte? Ich oder du?“.

Gretchens Erlösung im Kerker

In der Kerkerszene, dem Höhepunkt der Tragödie, weigert sich die verwirrte Gretchen, mit Faust zu fliehen.

  • Ablehnung der Flucht: Sie erkennt Faust und Mephisto (den sie instinktiv als das Böse ablehnt) und entscheidet sich bewusst gegen die weltliche Rettung, da sie nur in der Todesstrafe und der Übergabe an Gott einen Weg zur Vergebung und Seelenfrieden sieht.
  • Das Urteil Gottes: Obwohl Mephisto sie als „gerichtet!“ ansieht (im Sinne der weltlichen Justiz), erfolgt die göttliche Stimme am Ende der Szene: „Ist gerettet!“. Gretchen wird somit moralisch und spirituell erlöst, da sie in ihrer Reue und ihrer Unterwerfung unter Gottes Urteil Erlösung findet.

Fazit: Das tragische Schicksal der Unschuld

Gretchen wird wegen Kindsmordes verhaftet und zum Tode verurteilt – die direkte Folge einer tragischen Verkettung von Ereignissen, die mit ihrer Verführung durch Faust begann und den Tod ihrer Mutter und ihres Bruders zur Folge hatte. Ihr Schicksal ist ein Symbol für die Vernichtung der Unschuld durch die selbstsüchtige Leidenschaft Fausts und die harte, unmenschliche Moral der bürgerlichen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts.

Quellen

  1. Wikipedia - Faust. Eine Tragödie
  2. Wikipedia - Johann Wolfgang von Goethe

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